METAMORPHOSE

METAMORPHOSIS

Ich hatte ja schon gespürt, dass das nicht so weitergehen konnte. Sehr lange schon war ich gekrochen, stur, schmerzhaft, mich durch den Staub mühsam vorwärts bewegend, von Ast zu Ast, von Blatt zu Blatt klammernd. Manchmal gab ich nach, fast akzeptierte ich diesen Zustand, wissend, dass das nicht meine Seinsform ist, dass ich nicht ganz bin. Ich war nicht ich selbst.
Wie sehr litt ich darunter, wie oft schreckte ich entsetzt zurück beim Anblick meines tiefen, erdgebundenen Zustandes... Alles vergebens. Es gab keinen Ausweg.
Aber wo ist mein Platz? Wo ist der Himmel, wo ich mit bunten Flügeln frei fliegen, leicht schweben, über der Welt tanzen könnte?
So war ich nicht. Ich hatte keine Flügel.
Schwer, langsam, eigennützig – ich war es, meine amorphe Existenz im Kreislauf des Stoffwechsels mitschleppend, schleichend, kauend, klammernd. Ich war ein Fehler.

Ich wusste nicht warum oder wie lange. Ich machte weiter, mit einem Verlangen in meinem Herzen, das unerreichbar war aus dem Staub, wo ich lebte.
Als ich begann, mich in einen Kokon zu spinnen, hielt ich endlich inne. Ich kroch nicht, ich kaute nicht.
Ich bereitete mich auf die Metamorphose vor.

Der Kokon schloss sich und ich war darin: sicher und gefangen.
Bisher hatte ich nur gehandelt.
Schwere und langsame Abfolgen von Aktion und Entscheidung.
Nun kam die Zeit der Stille. Ich musste alles loslassen.
Die Struktur, mit der ich mich identifizierte und die ich verachtete, die meiner schwebenden Seele so unwürdig war.
Die Form und die Farbe, die mich in einer erdgebundenen Existenz begleiteten. Die Identität, mit der ich mich immer identifizieren musste, es aber nie konnte.

Nur meine Seele blieb von mir. Meine bloße, nackte, körperlose Seele im Zentrum einer wirbelnden, amorphen Masse.
Meine brennende, leuchtende, ewige, wilde Seele, die selbst beim Kriechen im Staub noch nach oben strebte und selbst in schwerer Bewegung den Flug als den einzig vertrauten Zustand ansah.
Meine beharrliche, sanfte Seele, die auch in der Stille ganz ist und auch offen schön. Und die noch nie jemand gesehen hat. Sie flüsterte mir die ganze Zeit zu: halte durch, bewege dich auf das Ziel zu, es gibt keinen sinnlosen oder ziellosen Moment oder Bewegung.

Wie erbärmlich leer mein Leben war, als ich im Staub kroch – und wie viel leerer und isolierter es jetzt ist, in der Gefangenschaft des Kokons. Hätte ich einen Körper, eine Ausdehnung, würde ich mich wehren und versuchen, aus diesem Zustand auszubrechen, aber ich habe nicht einmal mehr Willenskraft; sie hat sich in dieser allumfassenden Umstrukturierung aufgelöst.

Nur mein Wunsch blieb, der mich bis jetzt getragen hat. Dieser vertraute Freund, stiller Begleiter, der da ist, auch wenn niemand mehr da ist, an den man sich wenden kann.
Warten. Nur das blieb.
Was ist draußen? Ich weiß es nicht, und es ist nicht wichtig.
Was ist drinnen? Nichts. Nichts, das benannt werden kann, nichts Vertrautes – nur Fragmente, Gefühlsschnipsel, Gedankenkrumen, die an mir vorbeitreiben, unfassbar.

Ich warte.

Ich warte.

Ich warte darauf, geboren zu werden.

 

Let that thought travel

TAKE IT WITH YOU

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

About the author

I'm Tímea — a glass artist, a mother, and the person behind
Freedom Frequency.

My life has taken me through art, motherhood, work, loss, reinvention and a fair amount of figuring things out the hard way.

I've always been curious about what happens when we stop living by the rules we've inherited and start listening to what actually feels true to us.

Freedom, for me is not an abstract idea, but something we practice — in the
choices we make, the things we create, and the way we show up in our own lives.

I've gathered some thoughts along the way and they have helped me survive, move forward, or simply remember who I am when I got confused or stuck.

My goal was to step into my full potential and that's why I started documenting the process. Freedom Frequency grew from that place.

I wanted to plant seeds into the reality we share. Seeds of love, compassion, trust and faith, true values to bring joy and peace for those who need them on their journey.

So I put them on T-shirts to find out what happens. What if people wore them in real life — on the street, in cafés, on trains, among people who might need exactly that thought at exactly that moment?

They could be signals for like-minded souls on their journey, like they have served me as little compasses in the darkest night.

I think they can help us weave a new reality, not by fighting the old but
nurturing the new.

Let's anchor our magic.